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Detaillierte Beschreibung:
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Das LIFE-Projekt dient
der Sicherung eines der bedeutendsten Großmuschelvorkommen Mitteleuropas.
Es ist eingebettet in ein zwischen Tschechien, Sachsen und Bayern abgestimmtes
Gesamtkonzept. |
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| Projektgebiet |
Das Projektgebiet liegt im Grenzbereich der Tschechischen
Republik und der deutschen Bundesländer Sachsen und Bayern. Es enthält
ein weitgehend naturnahes, silikatisches, nährstoffarmes Mittelgebirgs-Gewässersystem
mit angrenzenden Auebereichen und Vorkommen der Flussperlmuschel Margaritifera
margaritifera und der Bachmuschel Unio crassus sowie weiterer
gefährdeter fließgewässergebundener Tierarten, u.a. Bachneunauge
Lampetra
planeri, Mühlkoppe Cottus gobio sowie den Eisvogel
Alcedo
atthis.
Die bachbegleitende Vegetation ist im unter Naturschutz
stehenden Uferschutzstreifen der Gewässer durchgängig in Form
von naturnahen, feuchten Hochstaudenfluren und Übergangsmooren bzw.
Schwingrasen ausgebildet. Wo kein Uferschutzstreifen besteht, reicht eine
extensive Grünlandnutzung bis an die Gewässer heran. Im weiteren
Umland, das die Bäche als Gewässereinzugsgebiet beeinflusst,
findet sich eine kleinräumig strukturierte Kulturlandschaft mit kleineren
Ortschaften, Streusiedlungen, Einzelanwesen sowie mit allen Intensitätsstufen
der Landnutzung von Wald und Brachland bis zu intensiver Acker- und Grünlandnutzung.
Projektgebiet im engeren Sinne sind die muschelführenden
Bäche und ihr unmittelbares Umland, das nach der Artenschutzrichtlinie
Natura 2000 der Europäischen Union als FFH-Schutzgebiet gemeldet wurde.
Im weiteren Sinne gehört hierzu das gesamte Wassereinzugsgebiet der
Bäche.
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Zielarten
im Projektgebiet
Flussperlmuscheln |
Das Projekt dient dem Erhalt der Großmuschelarten
Flussperlmuschel (Margaritifera margaritifera) und Bachmuschel (Unio
crassus). Zur Biologie der Muscheln vergleiche die entsprechende Beschreibung
des Bayerischen Landesamtes für Umwelt.
Der Verbreitungsschwerpunkt der Flussperlmuschel Margaritifera
margaritifera in Deutschland liegt in Bayern. Das Gewässersystem
im Projektgebiet hat für den Erhalt der Art hohe Priorität. Die
Vorkommen im Projektgebiet stellen mit mehreren 10.000 Exemplaren insgesamt
etwa ein Fünftel des bayerischen Gesamtbestandes. Nur fünf
weitere bayerische sowie eine tschechische Populationen besitzen heute
noch eine vergleichbare Populationsgröße. Die Vorkommen
in den übrigen Bundesländern - mit Ausnahme Niedersachsens -
beherbergen nur wenige Individuen. Auch im europaweiten Vergleich handelt
es sich bei dem vorliegenden Bestand um einen der bedeutendsten in Mitteleuropa
(Young et al. 2000).
Bachmuscheln (Foto:
Susanne Hochwald)
Bei der Population von Unio crassus im Projektgebiet
handelt es sich um ein kleines Restvorkommen der Art in der Region
(50 -100 Individuen). Bayernweit sind knapp 60 Bestände bekannt. In
der Regel handelt es sich um Restbestände von maximal einigen Hundert
Tieren. Einige wenige Populationen beherbergen 10.000 und mehr Individuen.
Verbreitungsschwerpunkte der Art in Deutschland sind Mecklenburg-Vorpommern
und Bayern. Quantitative Angaben zum derzeitigen Gesamtbestand fehlen.
Gleiches gilt für die europäische Verbreitung. Rückgänge
der Art bzw. ihre Seltenheit im Gebiet werden aus Österreich, Polen,
den Niederlanden, Belgien, der Schweiz und Tschechien gemeldet (Hochwald
2000).
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Gefährdungen
der Großmuscheln
im Projektgebiet |
Gewässereutrophierung
Einträge von Nährstoffen aus den landwirtschaftlich
genutzten Einzugsgebieten, aus Streusiedlungen mit unzureichend geklärtem
Abwasser und aus Teichanlagen führen dazu, dass die Gewässer
im Projektgebiet Belastungen aufweisen, die über den Toleranzgrenzen
für gesunde Flussperlmuschel-Populationen liegen.Eine unzureichende
Wasserqualität, insbesondere ein erhöhter Gehalt an Ammonium
und Nitrat, führt zu erhöhten Absterberaten bei allen
Altersgruppen von Margaritifera margaritifera (Hruska
& Bauer 1995) und Unio crassus.Die Fließgewässer
als Habitat der Zielarten des Projektes ziehen sich als linienförmige
Struktur durch das Projektgebiet. Ihr Wasser- und Stoffhaushalt wird
durch die Austräge aus der Fläche des Wassereinzugsgebietes bestimmt.
Der Nährstoffeintrag in die Bäche (Gewässereutrophierung)
ist folglich einerseits eng mit den Nährstoffüberschüssen
in der Fläche verknüpft und andererseits mit den Eintragspfaden,
also mit Seitengewässern und Gräben sowie mit flächigen
Abflüssen zu Zeiten hoher Niederschläge. Diese Pfade bedingen
eine direkte Beeinflussung der Gewässer auch aus uferfernen Flächen.
Um Nährstoffeinträge aus diesen "projektfernen" Flächen
unterbinden zu können, sind neben einer flächenhaften Extensivierung
der Nutzung auch Maßnahmen an den Haupteintragspfaden
in das Gewässer bzw. Projektgebiet geeignet. Hierzu zählen vor
allem die Seitengewässer und Hauptdränleitungen.
Verschlammung des Gewässerbettes
Die Schlammfracht der Gewäser besteht aus erodiertem
Boden oder sie resultiert aus erhöhtem Algenaufwuchs im
Haupt- und in den Seitengewässern in Folge der Nährstoffeinträge.
Erodierter Boden wird dem Gewässer vor allem aus den Ackerflächen
im Gewässereinzugsgebiet über Seitengewässer und -gräben
ohne einen uferbegleitenden Gehölz- und Krautsaum zugeführt.Die
Ablagerung von Feinsediment im kiesigen Lückensystem des Bachgrundes
verschließt die Grobporen und verringert die Durchströmung.
Durch verstärkte Zehrungsprozesse kommt es daraufhin zu Sauerstoffmangel
und fallweise zur Anreichung schädlicher Konzentrationen chemisch
reduzierter Stoffe wie Ammoniak (NH3) und Nitrit (NO2).
Als Folge sterben die in den ersten Lebensjahren im Sediment vergrabenen
Jungmuscheln ab (Buddensiek 1995, Altmüller
& Dettmer 2000). Die Brut kieslaichender Fischarten und damit
der Wirtsfische der Muscheln wird ebenfalls geschädigt.
Auch erwachsene Muscheln werden durch den eingestrudelten
und nicht verwertbaren anorganischen Schlamm beeinträchtigt (vergleiche
Eisenockerbildung). Trächtige Weibchen begegnen der Belastung ihres
Stoffwechsels durch Schlamm oftmals durch verfrühte Abgabe unreifer,
nicht infektionsfähiger Muschellarven (Glochidien), die sich nicht
am Wirtsfisch festsetzen können und daher absterben.
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Literatur:
Altmüller R. & Dettmer R. (2000): Erste Erfolge beim Arten-
und Biotopschutz für die Flussperlmuschel (Margaritifera margaritifera
L.) in Niedersachsen. - Natur & Landschaft 75 (9/10): 384-388.
Buddensiek V. (1995): The culture of juvenile freshwater pearl mussels
Margaritifera margaritifera L. in cages: A contribution to conservation
programmes and the knowledge of habitat requirements. - Biol. Conservation
74: 33-40.
Hruska J. & Bauer G. (1995): Zusammenhänge zwischen der
Populationsbiologie der Flußperlmuschel und der Gewässereutrophierung.
- Lindberger Hefte 5: 10-16.
Winter J.E. (1972): Long-term laboratory experiments an the influence
of ferric hydroxide flakes on the filter-feeding behaviour, growth, iron
content and mortality in Mytilus edulis L.. - in: Ruivo M. (ed.): Marine
Pollution and Sea Life Fishing News (books) Ltd.: 392-396.
Young M.R., Cosgrove P.J. & Hastie L.C. (2000): The extent of,
and causes for, the decline of a highly threatened naiad: Margaritifera
margaritifera. – Ecological Studies 145: 337-357.
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Eisenockerbildung
Beim Eintritt sauerstoffarmer Sicker- und Dränwässer
in das sauerstoffreiche Bachwasser wird reduziertes Eisen oxidiert und
fällt als Ferrihydrit (Eisenocker) aus. Die Quelle des Eisens sind
dränierte
Talbereiche im Einzugsgebiet des Gewässers. Durch den Grundwassereinfluss
der vernässten und daher gedränten Flächen tritt reduziertes
Eisen auf. Eisenockeraustritte finden sich daher direkt unterhalb der einmündenden
Dränagerohre.
Der besonders schädliche
Ocker-Schlamm
Der in Flocken oder Watten ausfallende Eisenocker
kann von den Muscheln, die sich filtrierend ernähren, nicht verwertet
werden. Er wirkt in gleicher Form wie erhöhte anorganische Schlammfrachten
und muss als so genannte Pseudofaeces ausgeschieden werden. Hierzu
ist eine Steigerung der Stoffwechselrate nötig. Bei Margaritifera
margaritifera bedingt eine erhöhte Stoffwechselrate
eine
verminderte Lebenserwartung. Für marine Molluskenarten ist belegt,
dass eine erhöhte Filtrationsleistung bei gleichzeitig schlechterer
Nahrungsqualität durch einen hohen Prozentsatz unverdaulicher Bestandteile
bei den Tieren zu Hungersymptomen führt (Winter
1972). Ockerausflockung direkt auf den Kiemen von Muscheln und
Fischen beeinträchtigt zudem die Atmung.
Mangelndes Wirtsfischangebot
Die Bachmuschel Unio crassus wird im Projektgebiet
durch ein geringes Aufkommen von Elritzen (Phoxinus phoxinus) als
Hauptwirtsfisch
geschädigt. Es fehlen geeignete Laichplätze und Standplätze,
die den Fischen Schutz vor ihren Fraßfeinden bieten.Die Folge ist
eine mangelnde Infektion von Wirtsfischen mit Larven der Bachmuschel und
damit eine unzureichende Verjüngung des Bestandes. In einigen
Gewässern ist zu befürchten, dass natürlicherweise keine
Muschellarven mehr auf geeignete Wirte gelangen und der Fortpflanzungszyklus
von Unio crassus unterbrochen ist. |
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