Life-Natur Projekt
LIFE2002NAT/D/8458
  
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Projektbeschreibung

Kulturlandschaft am Dreiländereck

Im nördlichen Bayern treffen sich die Wasserscheiden der Fluss-Systeme der Donau, der Elbe und des Rheins, nahe der Grenze zu Sachsen und zum Nachbarland Tschechien. Das Verbreitungsgebiet der stark vom Aussterben bedrohten Flussperlmuschel Margaritifera margaritifera erstreckt sich auf das Fichtelgebirge, das Erzgebirge, den Frankenwald und den Oberpfälzer Wald und damit über alle drei Flusssysteme. 
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Unmittelbar am früheren Eisernen Vorhang, im Gebiet des Dreiländereckes Bayern - Sachsen - Tschechien, haben sich im Flusssystem der Südlichen Regnitz Bestände der Flussperlmuschel erhalten, die zu den bedeutendsten in Mitteleuropa zählen. Und mit der Bachmuschel Unio crassus kommt hier eine weitere vom Aussterben bedrohte Großmuschel vor. Die Muscheln sind ein deutliches Zeichen für die außergewöhnliche Qualität der Gewässer: Besonders die Flussperlmuschel gedeiht nur in sehr kalk- und nährstoffarmen, und das heißt auch, in äußerst sauberen Flüssen und Bächen. 
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Flussperlmuscheln


Bachmuscheln (Foto: Susanne Hochwald)
 
Die Perlen in den Bächen sind in Wirklichkeit die Muscheln selbst: Nur eine unter Tausenden der dickschaligen Flussperlmuschel produziert eine Perle, und diese sind zumeist braun und rau wie Pfefferkörner.
 
Bachmuschel und Flussperlmuschel leben von der Nahrung, die sie direkt aus dem Wasser herausfiltern. Dabei ist die Flussperlmuschel mit ihrem sauberen, nahrungsarmen Lebensraum ein echter Hungerkünstler. Sie wächst langsam, erreicht aber ein stolzes Lebensalter von über 100 Jahren. Die Bachmuschel gedeiht auch in mäßig nährstoffhaltigem Wasser und wird ''nur'' 20 Jahre alt. Jedes Jahr stoßen die weiblichen Bachmuscheln über 10.000 Larven in das Bachwasser aus. Bei der Flussperlmuschel sind es gar mehrere Millionen, dafür aber winzige Larven. Nur wenige davon haben das Glück, von einem Wirtsfisch eingeatmet zu werden, um sich an dessen Kiemen zur immer noch winzigen Jungmuschel zu entwickeln. Die Jungmuschel fällt vom Fisch ab und wächst vergraben im Bachgrund mehrere Jahre heran, bis sie an die Sedimentoberfläche kommt und ihr langes gleichförmiges Leben als Filtrierer aufnimmt. 
Vierjährige Jungmuscheln

Muschellarven an einer Forellenkieme

Ausgewachsene Flussperlmuscheln, halb im Bachgrund eingegraben

Gefährdung und Schutz
Schlamm gelangt auf vielen Wegen in die Muschelbäche
Jahrhundertelang gediehen die Großmuscheln inmitten unserer besiedelten und landwirtschaftlich genutzten Kulturlandschaft. Sie überstanden die Ausplünderung der Bestände durch Perlfischerei oder für die Perlmuttindustrie und die Eingriffe in ihren Lebensraum für die Teich- und Mühlenwirtschaft. Doch nun drohen Bachmuschel und Flussperlmuschel auszusterben: Die Abwässer einer gewachsenen Bevölkerung und die Düngerüberschüsse einer Landwirtschaft, die heute ein Vielfaches der Ernten früherer Jahrhunderte produzieren muss, bringen Nährstoffe und Schlamm in die Gewässer. Noch immer ist die Gewässerqualität einigermaßen gut, und sie verbesserte sich auch deutlich durch die Bemühungen zur Abwasserreinigung. Für die Bachmuschel, und erst recht für die extreme Reinwasserart Flussperlmuschel reicht sie jedoch nicht mehr aus. Die erwachsenen Tiere erreichen nun nicht mehr ihr ehedem hohes Alter. Gefährdet sind beide Muscheln aber besonders dadurch, dass keine der besonders empfindlichen Jungmuscheln aufkommen. Aus diesem Grund sind die Bestände überaltert und im Rückgang begriffen. 
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Schlamm im Gewässer schädigt die sich filtrierend ernährenden Muscheln
 
Seit vielen Jahren werden in Tschechien, Sachsen und Bayern Anstrengungen unternommen, um den Muschelgewässern ihre ursprüngliche herausragende Qualität zurückzugeben. Weitreichende Verbesserungen des Lebensraumes sind nötig, um die Muscheln zu erhalten - und entsprechend umfassend sind die Schutzmaßnahmen, die in diesem Gebiet ergriffen wurden und werden: Uferschutzstreifen und die Renaturierung von Haupt- und Seitengewässern, Extensivierung der Landnutzung und Abwasserfreilegung im gesamten Wassereinzugsgebiet der Muschelvorkommen sind Ziele, an denen verschiedene Projekte arbeiten, und die letztlich nur in Zusammenarbeit von Anwohnern, Fachbehörden, Gemeinden, Landwirtschaft, Fischerei und Naturschutz Erfolg haben werden. Die Europäische Kommission würdigt die europaweite Bedeutung der Flussperlmuschelbestände am Dreiländereck, aber auch die bereits erzielten Verbesserungen, indem Sie in zwei EU-INTERREG-Projekten in Bayern und Sachsen den Schutz der Flussperlmuschel mit Mitteln der Regionalförderung finanziell unterstützt. 
Das LIFE-Projekt, ein weiterer Baustein zum Schutz der Großmuscheln
LIFE-Natur ist ein Programm der EU speziell für den Artenschutz. Es fördert Projekte, die den Lebensraum von bedrohten Arten im Europäischen Schutzgebietsnetz Natura 2000, den so genannten FFH-Gebieten, verbessern. 2002 wurden deutschlandweit fünf LIFE-Projekte genehmigt, darunter das Großmuschel-Projekt am Dreiländereck - eine weitere Auszeichnung für dieses Gebiet. Maßnahmen und Finanzierung werden vom Bayerischen Naturschutzfonds, dem Bezirk Oberfranken, dem Landkreis Hof, dem Naturpark Erzgebirge/Vogtland sowie den Umweltministerien der Länder Bayern und Sachsen kofinanziert.
Der Beitrag, den das LIFE-Projekt leisten will, konzentriert sich
1) auf Knotenpunkte im Stoffhaushalt der Gewässer: Schlammfänge nahe der Mündungen der Seitengewässer verringern den Schlammeintrag in die Muschelbäche. Ausläufe von Haupt-Dränleitungen werden geöffnet und das Dränwasser verrieselt, um den feinen Ockerschlamm zurückzuhalten. Teichanlagen an den Bächen werden erworben und aus der intensiven Bewirtschaftung genommen, so dass kein Schlamm und keine Nährstoffe mehr ausgetragen werden.
2) auf den fehlenden Muschel-Nachwuchs:
Wirtsfische der Flussperlmuschel und der Bachmuschel werden künstlich mit Muschellarven infiziert. Die Jungmuscheln, die sich daraus entwickeln und von den Fischen wieder abfallen, werden in speziell hergerichteten Bachabschnitten ausgesetzt. Für Elritzen, die Wirtsfische der Bachmuschel, wird der Bach mit flachen Stellen und mit Totholz versehen, so dass sich diese Kleinfische besser vor ihren Feinden verstecken und ungestört vermehren können.

Frisch von Wirtsfischen abgefallene Jungmuscheln 

Diese mit Muschellarven infizierte junge Bachforelle 
wurde zu Kontrollzwecken am Schwanz markiert 

Alle Fotos, die nicht anders gekennzeichnet sind, stammen von Christine Schmidt und Robert Vandré (Schmidt & Partner GbR) und unterliegen dem Copyright. Sollten Sie daran interessiert sein, diese Fotos in irgendeiner Weise als Reproduktion oder digital zu verwenden, setzen Sie sich bitte mit den Fotografen in Verbindung.
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